05.03.19: Interview mit dem Floristtechniker Dieter Scheffler

Sie ist eine der Hauptattraktionen einer jeden Gartenschau: die Blumenschau. 2019 in Wassertrüdingen heißt der Kopf hinter dieser vielbeachteten Ausstellung Dieter Scheffler. Der Floristtechniker hat reichlich Erfahrung mit der Gestaltung von Blumenschauen: 1979 hat er erstmals für die Bundesgartenschau in Bonn gearbeitet, viele weitere Aufträge für Gartenschauen folgten. Damit markiert das Projekt in Wassertrüdingen für Dieter Scheffler auch ein ganz persönliches Jubiläum: 2019 ist er 40 Jahre für Gartenschauen tätig. In Wassertrüdingen verwandelt Dieter Scheffler ein ehemaliges Schreibwarengeschäft in der Innenstadt in einen blühenden Raum voller Inspirationen für die Besucher und gestaltet auch verschiedene andere Orte auf dem Gartenschaugelände mit Ausstellungsbeiträgen.

Herr Scheffler, seit 40 Jahren widmen Sie einen Großteil Ihrer Zeit der Konzeption von Blumenschauen. Was reizt sie daran?

Dieter Scheffler: Die Beete auf einer Gartenschau werden gepflanzt, gehegt und gepflegt, die Pflanzen ändern sich dann jedoch nur noch in Größe und Zuwachs. Bei den Blumenschauen kann ich dagegen aus dem Vollen schöpfen: Die Ausstellungsbeiträge führen den Besucherinnen und Besuchern die Vielfalt der Natur vor Augen, interpretieren und inszenieren sie. Es geht aber bei der Konzeption nicht nur um einen roten Faden für die Beiträge, sondern es ist auch ein übergeordnetes Raumkonzept für die Ausstellung gefragt. Im Idealfall werden die gezeigten Blumen und Pflanzen mit dem umgebenden Raum zu einer Einheit und die Blumenschau damit zu einem Gesamtkunstwerk. All das ist für mich eine tolle planerische und künstlerische Herausforderung, die ich immer wieder gerne angehe.

In Wassertrüdingen finden Sie mit einem ehemaligen Schreibwarengeschäft einen eher kleinen, ungewöhnlichen Raum für eine Blumenschau vor. Hat Sie das vor Herausforderungen gestellt?

Dieter Scheffler: Nein, überhaupt nicht. Ob man wie in Wassertrüdingen 200 Quadratmeter zur Verfügung hat oder, wie es in einer anderen Gartenschau einmal der Fall war, einen Flugzeughangar mit mehreren tausend Quadratmetern, spielt keine Rolle. Ich muss hier wie dort den Raum in seiner Gesamtheit erfassen und mir ein passendes Konzept ausdenken, das die Einzelbeiträge bestmöglich wirken lässt und alles zu einer Einheit zusammenfasst. Das ist jedes Mal eine spannende Aufgabe und erfordert neue Ideen. Und je ungewöhnlicher der Raum ist, desto mehr Kreativität ist gefragt. In Wassertrüdingen haben wir aber nicht nur das Schreibwarengeschäft, sondern realisieren ein dezentrales Konzept: Weitere Orte für die Blumenschau sind der Platz zur Sonne direkt neben dem Hotel zur Sonne, wo wir im Wechsel und in Ergänzung die Ausstellungen präsentieren. Hier zeigen wir auch ein Sortiment an großen Kübelpflanzen und es entsteht eine Fläche für die Aktionstage, unter anderem für die Rosen- und Baumschultage. Entlang der Wege und auf den beiden Parkteilen entstehen florale Installationen. Im Wörnitzpark zeigen wir Balkongärten in ungewohnter, witziger Umsetzung.

Wie aufwändig ist es, eine Blumenschau zu organisieren?

Dieter Scheffler: Auf jeden Fall viel aufwändiger als man von außen sehen kann. Der Blumenschau voraus geht immer eine öffentliche Ausschreibung, gefolgt von einem zweistufigen Auswahlverfahren. Dafür musste ich mich, wie bei allen vorhergehenden Projekten auch, mit einem Konzept bewerben. Nach dem Zuschlag beginnt die Detailplanung und Umsetzung. Schwerpunkt ist dabei die Koordination der Floristen und Gärtner aus der Umgebung, die mit ihren Ausstellungsbeiträgen jeweils einen gewissen Zeitraum bestimmte Flächen bespielen. Diese Beiträge ändern sich: Alle 14 Tage haben wir ein anderes Motto – von Frühlingspotpourri über Sträuße bis zu Tomaten und Chili.

Wie läuft der Wechsel bzw. der Umbau von einem zum anderen Thema ab?

Dieter Scheffler: Das geschieht fließend und während der Öffnungszeiten der Blumenschau. Wir könnten die Blumenschau gar nicht für den Umbau schließen, denn die Gartenschau ist ja an jedem Tag geöffnet und die Leute wollen etwas sehen. Deshalb geschieht der Umbau nach und nach und vor den Augen des Publikums. So gibt es für die Besucherinnen und Besucher immer etwas zu entdecken, auch das gehört zum Konzept: Die Blumenschau ist ein Gesamtkunstwerk und bietet ein Feuerwerk von wechselnden Inspirationen.

Dieter Scheffler wurde 1956 in Engelskirchen im Rheinland geboren. In der elterlichen Gärtnerei absolvierte er eine Gärtnerlehre, schloss eine Ausbildung zum Floristen an und ließ sich an der staatlichen Fachschule für Blumenkunst in Weihenstephan zum Floristtechniker ausbilden. Von Anfang an verstand er den Beruf des Floristen als eine vor allem künstlerische Tätigkeit und beschäftigte sich daher auch intensiv mit Bildhauerei und Architektur. Nach Stationen in Bozen, Berlin und den Vereinigten Arabischen Emiraten machte er sich 1987 mit dem Planungsbüro „Zeitraum“ in München selbstständig. Hier betreut er zusammen mit seinen Mitarbeitern vor allem Großprojekte wie Gartenschauen, Messen und Großveranstaltungen und entwirft Innenraumgestaltungen.

Blumenschauen:
24.05. – 06.06.2019 Frühlingspotpourri
07.06. – 20.06.2019 Rosenschau
21.06. – 04.07.2019 Nelken, Asparagus & Co.
05.07. – 18.07.2019 Topfgärten
19.07. – 01.08.2019 Farbenrausch mit Sommerblumen
02.08. – 08.08.2019 Sträuße in Hülle und Fülle
09.08. – 15.08.2019 Tischdekorationen
16.08. – 29.08.2019 Exoten, Orchideen, Bromelien, Heliconia usw.
30.08. – 08.09.2019 Tomaten, Chili und andere Früchtchen

Aktionswochenenden mit Verkaufsschau:
15./16. 06.2019 Rosenmarkt 06./07. 07.2019
Baumschultage 27./28. 07.2019
Stauden und Kräuter 31.08./01.09.2019
Tomaten, Chili und andere Früchtchen